Benjamin Chatton im Exklusiv-Interview: „Sind mit der Punkteausbeute zufrieden“

Diese Tage stehen bei der TSV Hannover-Burgdorf im Zeichen von Europa. Nach dem 28:28 Unentschieden wollen DIE RECKEN im Rückspiel vor heimischer Kulisse in die Gruppenphase einziehen. „Das Duell mit den Kadetten ist mit Sicherheit das prägnanteste Spiel für uns in 2013“, sagt Benjamin Chatton.

Im Exklusiv-Interview mit www.die-recken.de zieht der Geschäftsführer zudem ein erstes Zwischenfazit, blickt auf die Neuerungen im Lizenzierungsverfahren und regt eine Diskussion zum besseren Schutz der Torhüterposition an.

DIE HINRUNDE IST FAST VORBEI. BISLANG HAT DIE TSV HANNOVER-BURGDORF 18 PUNKTE GEHOLT. WIE FÄLLT IHR FAZIT AUS?

Wir sind mit der bisherigen Punkteausbeute zufrieden. Der Preis- /Leistungsvergleich wird im Sport ja oft als Maßstab für Ergebnisse herangezogen. Mit der gezeigten Systemqualität im Verhältnis zu unserem Punkte- und Tabellenstand stehen wir gut da. Wir haben Spiele für uns entscheiden können, in denen wir keine überragende Leistung gezeigt haben. Das ist wahrscheinlich ein Ausdruck von gestiegener Qualität.

DIE MANNSCHAFT GEHÖRT MIT ELF AUSWÄRTSPUNKTEN ZU DEN STÄRKSTEN IN DER LIGA. WO SEHEN SIE DIE GRÜNDE DAFÜR?

Diese Bilanz ist wohl in erster Linie auf unseren Spielplan zurückzuführen. Wir haben in der Hinrunde mit den Rhein-Neckar Löwen, den Füchsen Berlin und dem THW Kiel sehr schwere Gegner in unserer „RECKEN-Festung“ zu Gast gehabt, gegen die wir nur in der Außenseiterrolle waren. Ich sehe es sehr positiv, dass wir die Auswärtsspiele bei allen drei Aufsteigern für uns entscheiden konnten und auch im „Kürbereich“ wie bei den Duellen in Göppingen, Lübbecke oder Gummersbach schon Zähler einheimsen konnten.

IN DER HINRUNDE WAR DIE MANNSCHAFT VON VIELEN VERLETZUNGEN BETROFFEN. TRÜBT DAS DEN GESAMTEINDRUCK?

Das Kollektiv hat gezeigt, dass wir Ausfälle kurzfristig kompensieren können. Wenn man allerdings zu lange mit zu vielen Personen auf einem Trampolin rumspringt, dann kann es auch mal kaputt gehen oder ausleiern. Ich hoffe, dass wir unser Lazarett so schnell wie möglich leeren können, auch wenn die aktuelle Situation besonders unseren Nachwuchsspieler größere Spielanteile gibt und somit auch eine positive Seite hat.

IST DAS RÜCKSPIEL GEGEN DIE KADETTEN SCHAFFHAUSEN DAS SPIEL DES JAHRES FÜR DIE RECKEN?!

Das wird auch vom Ergebnis abhängen (lacht). Nein, denn das Jahr 2013 hatte viele sportliche Höhepunkte für uns zu bieten. In der Außenwirkung und der Reichweite ist das Duell mit den Kadetten aber mit Sicherheit am prägnantesten. Großartig, dass wir diese Erfahrung erleben dürfen.

WIE WICHTIG WÄRE ES FÜR DEN VEREIN IM EUROPAPOKAL ZU ÜBERWINTERN?

Ich wünsche es der Mannschaft und allen Beteiligten, dass wir nicht nur weiterhin ein Teil von Europa sind, sondern Europa auch noch länger ein Teil von uns bleibt.

DER DEZEMBER MIT FÜNF SPIELEN, DAVON VIER IN DER SWISS LIFE HALL, STEHT VOR DER TÜR. HALTEN SIE EINE WIEDERHOLUNG DES GOLDENEN DEZEMBERS VOM LETZTEN JAHR FÜR MÖGLICH?

Wir haben dieses Mal veränderte Voraussetzungen, daher ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Der Spielplan im letzten Kalendermonat stellt uns vor völlig unterschiedliche Herausforderungen und ich hoffe, dass wir auch dieses Jahr einen positiven Dezember erleben dürfen und hierzu muss er nicht golden sein.

IM SPIEL UNTER DER WOCHE BEIM VFL GUMMERSBACH WURDE IHR SPIELER NIKOLAI WEBER SCHWER AM KOPF GETROFFEN. MÜSSEN DIE TORHÜTER IM HANDBALL AUS IHRER SICHT BESSER GESCHÜTZT WERDEN?

Ich unterstelle dem Spieler Raul Santos vom VfL Gummersbach absolut keine Absicht bei seinem Wurfversuch. Ich bin aber der Auffassung, dass wir im Handball dringend über eine Progression, in Form der roten Karte, beim Strafmaß nachdenken sollten wenn ein Spieler im Tempogegenstoß auf das gegnerische Tor zuläuft und unbedrängt zum Abschluss kommt. Die Frage, ob der Torhüter sich bewegt oder nicht ist dabei für mich unerheblich. Wir müssen die Position des Torhüters besser schützen, sowohl im Sinne des Fair Play Gedankens als auch aus Gründen des Arbeitsschutzes.

BEI DEM LIZENZIERUNGSVERFAHREN WILL DIE LIGA ZUKÜNFTIG GENAUER HINSEHEN. DER RICHTIGE SCHRITT IN IHREN AUGEN?

Die Weiterentwicklung und Verbesserung beim Lizenzierungsverfahren halte ich grundsätzlich für sinnvoll und richtig. Es wird auf viele Vereine ein höherer Aufwand zukommen, aber die Möglichkeiten des Einblicks werden sich für die Liga durch die zeitliche Variabilität verbessern. Ein weiterentwickeltes Lizenzierungsverfahren ist aber auch zukünftig keine Versicherung gegen wirtschaftliche Schieflage von Vereinen.

Quelle: RECKEN-Pressenews 29.11.13